Ein Jäger geht im herbstlichen Buchenwald zu seinem Drückjagdstand

Nach dem Streckelegen weiß der Jagdleiter, was erlegt wurde. Ohne Rückmeldung von den Ständen weiß er nicht, welche Stände Wild gesehen haben, wo beschossen wurde und wo eine Rotte unbeschossen aus dem Treiben gewechselt ist. Diese Lücke schließt die Drückjagd-Standkarte. Sie ist das einzige Hilfsmittel, das noch am Jagdtag von jedem einzelnen Stand eine Rückmeldung liefert. Das funktioniert aber nur, wenn die Karte so knapp ist, dass die Schützen sie auch wirklich ausfüllen.

Die Karte hilft bei drei Aufgaben: Sie macht Nachsuchen vollständig, zeigt die Wildbewegungen im Treiben und deckt schlecht gestellte Stände auf. Was dafür auf das Blatt gehört und wie die Auswertung abläuft, liest du hier.

Was ist eine Drückjagd-Standkarte?

Eine Drückjagd-Standkarte ist ein Blatt, das jeder Schütze einer Bewegungsjagd beim Anstellen erhält. Je nach Region heißt sie auch Standzettel oder Standplatzkarte. Darauf trägt er während des Treibens ein, was er gesehen, beschossen und erlegt hat. Nach der Jagd geht die Karte an die Jagdleitung zurück und wird dort ausgewertet.

Damit erfüllt die Karte zwei Aufgaben. Vor dem Treiben hilft sie bei der Orientierung am Stand. Danach dokumentiert sie den Ablauf. Je nachdem, welche Aufgabe im Vordergrund steht, fällt die Karte sehr unterschiedlich aus.

Ausführliche oder kurze Standkarte?

Viele Jagdleitungen geben eine ausführliche Variante aus. Darauf sind das gesamte Treiben, alle nummerierten Stände, Gefahrenbereiche, Kontroll- und Sammelpunkte sowie die Jagdgrenzen eingezeichnet. Auf der Rückseite stehen die Sicherheitsbelehrung, die Freigabe, Beginn und Ende des Treibens und eine Telefonliste.

Diese Informationen sind wichtig. Gerade die schriftliche Freigabe lohnt sich, denn bei der morgendlichen Ansprache bekommt mancher Jagdgast nur einen Teil mit. Auf einer Karte, die am Stand ausgefüllt werden soll, stört diese Fülle aber. Bewährt hat sich deshalb eine Trennung in zwei Blätter:

Inhalt Informationsblatt (zum Nachlesen) Standkarte (zum Ausfüllen)
Übersicht des Treibens mit allen Ständen, Gefahrenbereichen, Jagdgrenzen ja nein
Sicherheitsbelehrung und Freigabe ja nein
Beginn und Ende des Treibens ja ja, Uhrzeit im Kopf
Telefonliste: Rettungsdienst, Tierarzt, Jagdherr, Jagdleiter, Ansteller, Wildversorgung, Nachsuchenorganisation ja nein
Eigene Standnummer, Anstellergruppe, Treiben nein ja
Beobachtungen, Anläufe, beschossene und erlegte Stücke nein ja
Skizze mit erlegtem Wild und Anschüssen nein ja

Das Informationsblatt kann der Schütze im Zweifel nachlesen. Die Standkarte bleibt so kurz, dass sie in wenigen Minuten ausgefüllt ist.

Was gehört auf die Standkarte?

So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Eine praxistaugliche Karte hat drei Teile.

Der Kopf

Im Kopf stehen Datum, Name des Schützen, Standnummer, Nummer der Anstellergruppe und Nummer des Treibens. Wird nach der Uhr gejagt, gehört auch das Ende des Treibens hinein. Diese Angaben ordnen die Karte später eindeutig einem Platz in der Revierkarte zu.

Die Tabelle

Das Herzstück ist eine kleine Tabelle. In den Zeilen stehen die vier Fragen, in den Spalten die Wildarten, die im Revier vorkommen oder freigegeben sind:

Schwarzwild Rehwild Rot-/Damwild Fuchs Sonstiges
gesehen
Anläufe
beschossen
erlegt

Dazu kommen eine Spalte für die Zahl der Schüsse und ein Feld für Bemerkungen. Die Wildarten passt die Jagdleitung an ihr Revier an. Wer im Revier Rot- und Damwild hat, führt sie besser getrennt.

Muster einer Drückjagd-Standkarte mit Zeilen für gesehen, Anläufe, beschossen und erlegt

Die Geländespindel auf der Rückseite

Auf die Rückseite gehört eine Geländespindel, wie sie viele von Nachsuchenmeldungen kennen. Der eigene Stand liegt im Mittelpunkt, darum herum Kreise für 30, 60 und 100 Meter, oben die Blickrichtung. Hier zeichnet der Schütze ein, wo erlegtes Wild liegt und wo Anschüsse sind. Auch Kontroll- und Nachsuchen werden hier vermerkt.

Geländespindel mit Kreisen für 30, 60 und 100 Meter um den Drückjagdstand

Die Standkarte am Stand richtig ausfüllen

Der Schütze beantwortet am Stand vier Fragen: Was habe ich gesehen? Wie oft ist mein Stand angelaufen worden? Welches Wild habe ich wie oft beschossen? Was habe ich erlegt? Wichtig ist, die Antworten zeitnah, ehrlich und vollständig einzutragen.

Nach jedem Anlauf eintragen. In einem wildreichen Treiben verliert man schnell den Überblick. Wer bis zum Abblasen wartet, schreibt aus der Erinnerung, und die täuscht gerade bei mehreren Anläufen. Eine kurze Uhrzeit neben dem Eintrag kostet wenige Sekunden und hilft später bei der Auswertung erheblich.

Anläufe zählen, nicht Stücke. Ein Rudel aus acht Stück, das den Stand gemeinsam anläuft, ist ein Anlauf. Ein einzelnes Stück, das zehn Minuten später kommt, ist ein zweiter. Jeder Anlauf ist eine eigene Gelegenheit, und genau das soll die Zeile abbilden.

Anschüsse markieren, eintragen und melden. Hast du ein Stück beschossen, das nicht in Sichtweite liegt, markierst du den Anschuss so, wie die Jagdleitung es vorgibt. Danach trägst du ihn in die Skizze ein und meldest ihn dem Ansteller. Eigene Nachsuchen sind tabu, denn die übernehmen die beauftragten Nachsuchengespanne. Bist du dir unsicher, ob du getroffen hast, trägst du das Stück trotzdem als beschossen ein. Ob eine Kontrollsuche nötig ist, entscheidet dann die Nachsuchenorganisation.

Ein Foto spart Wartezeit. Ist die Skizze nach dem Treiben vollständig, kann der Schütze sie fotografieren und an die Wildbergung schicken. Die Bergemannschaft weiß dann, wo das Wild liegt, und Ansteller und Schütze müssen nicht am Stand warten, bis alles geborgen ist.

Bemerkungen sachlich halten. Das Bemerkungsfeld ist kein Platz für Lob oder Erklärungen, warum der Erfolg ausblieb. Hinein gehören Hinweise zur Sicherheit, zum Beispiel Baumängel am Drückjagdsitz, ein schlecht ausgeschnittenes Schussfeld oder Wechsel, die vom Stand aus nicht erreichbar waren.

Für das Ausfüllen bei Nässe hat sich ein Bleistift bewährt. Eine Klarsichthülle schützt die Karte vor Regen.

Standkarten auswerten: was der Jagdleiter daraus lernt

Eingesammelte Karten, die in der Schublade landen, bringen nichts. Ausgewertet werden sollten sie zeitnah, solange die Beteiligten den Jagdtag noch vor Augen haben.

Nachsuchen vollständig machen

Der wichtigste Abgleich findet noch am Jagdtag statt: Die Einträge unter „beschossen“ werden mit „erlegt“ und mit den gemeldeten Nachsuchen verglichen. Wo mehr beschossen als erlegt und gemeldet wurde, ist eine Kontrolle fällig. In der Hektik eines Treibens kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen Karte und mündlicher Meldung. Eine sauber geführte Karte gibt der Nachsuchenorganisation die Möglichkeit, solche Lücken zu schließen. Das gilt auch dann, wenn eine Nachsuche ohne erkennbaren Grund ins Leere lief.

Wildbewegungen rekonstruieren

Werden die Einträge in die Revierkarte übertragen, ergeben sich Muster. Zieht eine Rotte gleicher Zusammensetzung kurz nacheinander an drei Nachbarständen vorbei, ist ihr Wechsel nachvollziehbar. Mit Uhrzeiten wird das Bild noch klarer. So lassen sich auch Doppelzählungen herausrechnen, wenn mehrere Schützen dasselbe Rudel notiert haben. Zeigt sich, dass Stücke oder ganze Rudel an einer Stelle unbeschossen aus dem Treiben wechseln, kann dort vor der nächsten Jagd ein zusätzlicher Drückjagdsitz stehen.

Die Qualität eines Standes beurteilen

Für die Bewertung eines Standes zählt die Zahl der Anläufe mehr als die Strecke. Eine schlechte Bilanz liegt außerdem nicht immer am Schützen. Häufig steht der Stand falsch und verlangt Unmögliches: Die Entfernung ist zu groß, der Anlaufwinkel ungünstig oder an der Stelle, an der das Wild wechselt, fehlt ein sicherer Hintergrund. Kommen die Sauen über mehrere Jagden hinweg immer wieder am unteren Wechsel, sollte der Sitz versetzt werden. Ein einmaliger Ausreißer reicht dafür nicht.

Häufige Fehler bei Drückjagd-Standkarten

  • Zu viel Text auf der Karte. Eine überladene Karte wird nicht ausgefüllt.
  • Einträge erst nach dem Abblasen. Aus der Erinnerung geschriebene Zahlen sind ungenau.
  • Stücke statt Anläufe zählen. Dann lässt sich die Qualität eines Standes nicht beurteilen.
  • Anschüsse nur mündlich melden. Ohne Eintrag in der Skizze fehlt der Nachsuche der genaue Ort.
  • Bemerkungen als Rechtfertigung nutzen. Wichtige Hinweise auf Mängel am Sitz gehen dann unter.
  • Karten einsammeln, aber nicht auswerten. Das kostet die Schützen Zeit und bringt der Jagdleitung nichts.

Ausrüstung für den Drückjagdstand

Die beste Standkarte ersetzt keine gute Ausrüstung am Stand. Die Unfallverhütungsvorschrift Jagd verlangt bei Gesellschaftsjagden, dass sich die Beteiligten farblich deutlich von der Umgebung abheben. Viele Jagdleitungen schreiben deshalb eine Jacke oder Weste in Signalfarbe vor, oft zusätzlich eine signalfarbene Kopfbedeckung. Bei HEIDEJAGD findest du passende Drückjagdjacken für Herren und Drückjagdjacken für Damen. Wer den gewohnten Jagdhut tragen möchte, macht ihn mit einem elastischen Signalband für den Jagdhut drückjagdtauglich.

Ist die Strecke eingezeichnet und das Foto an die Bergung geschickt, folgt das Bergen selbst. Eine Wildbergehilfe oder Wildwanne erleichtert den Transport zum Weg. Wie du dich insgesamt auf eine Bewegungsjagd vorbereitest, steht in unserem Ratgeber Drückjagd: Vorbereitung, Tipps & Ausrüstung.

FAQ zur Drückjagd-Standkarte

Wer gibt die Standkarte aus?

In der Regel bekommt der Schütze die Karte vom Ansteller, wenn dieser ihn zu seinem Stand bringt. Häufig liegt sie auch den Unterlagen bei, die bei der Ansprache verteilt werden. Nach der Jagd geht sie an die Jagdleitung zurück, ohne dass sie eigens angefordert werden muss.

Ist die Standkarte vorgeschrieben?

Gesetzlich vorgeschrieben ist sie nicht. Ob mit Standkarten gearbeitet wird, entscheidet die Jagdleitung. Gibt sie Karten aus, gehört das sorgfältige Ausfüllen zu den Pflichten jedes Gastes.

Was trage ich ein, wenn ich nicht weiß, ob ich getroffen habe?

Trage das Stück als beschossen ein, markiere den Anschuss und melde ihn. Ob getroffen wurde, klärt die Kontrollsuche mit dem Hund. Ein nicht gemeldeter Anschuss ist das größere Risiko.

Was ist eine Geländespindel?

Eine Geländespindel ist eine Skizze aus Kreisen um den eigenen Stand, meist für 30, 60 und 100 Meter, mit eingezeichneter Blickrichtung. Darin werden erlegtes Wild und Anschüsse mit Richtung und Entfernung eingetragen. So finden Bergung und Nachsuche die Stelle schneller.

Wie viele Schützen sollte ein Ansteller betreuen?

Damit der Ansteller jeden Schützen ausführlich einweisen kann, sollte eine Anstellergruppe aus drei bis höchstens fünf Schützen bestehen. Zur Einweisung gehören Gelände, Nachbarstände, Sicherheitsbereiche, mögliche Wechsel, Treibrichtung, Freigabe sowie Beginn und Ende des Treibens.

Geht das auch digital?

Grundsätzlich ja. Papier hat am Stand aber Vorteile: Es braucht weder Akku noch Netz, und jeder Gast kommt ohne Einweisung damit zurecht. Ein guter Kompromiss ist eine Papierkarte, deren Skizze per Foto an die Bergung geht.

Weniger Felder, bessere Daten

Eine Drückjagd-Standkarte ist nur so gut wie ihre Einträge. Wer sie überlädt, bekommt halb ausgefüllte Blätter zurück. Bewährt hat sich die Trennung: Ein Informationsblatt enthält alles zum Nachlesen, eine knappe Karte die vier Fragen und die Skizze. Ausgefüllt wird nach jedem Anlauf, und Anschüsse kommen immer auf die Karte. Für Jagdgäste ist die sorgfältig geführte Karte damit ein direkter Beitrag zu vollständigen Nachsuchen. Die Auswertung beginnt noch am Jagdtag mit dem Abgleich von „beschossen“ und gemeldeten Nachsuchen. Über mehrere Jagden hinweg zeigen die Karten dann, welche Stände ihre Aufgabe erfüllen und welche versetzt werden sollten. So wird aus einem Zettel am Stand eine Planungshilfe für die nächste Saison.